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Pegelstand

von Sibylle Heiniger
© Rodja Galli, a259

Sibylle Heiniger

Sibylle Heiniger ist Regisseurin, Produzentin und Vorstandsmitglied von ACT Bern, dem Berufsverband der freien Theaterschaffenden. Sie liebt die Aare (vor allem im Sommer) und gute Bücher (immer).

Letzte Woche habe ich wieder mal Post aus meinem Dorf gekriegt. Es ist die jährliche Einladung zum Frühlingskonzert und -theater der Musikgesellschaft, die mir mein Vater jeweils zuschickt. Denn er und der ganze Rest der Verwandtschaft, die noch in dem Dorf leben, wirken auf der Bühne mit. Die Turnhalle wird drei Mal ausverkauft sein, nebst musikalischen Oscar-Liederhits wird ein Lustspiel in zwei Akten gezeigt. Weinschenke und Bar, Tombola inklusive Nietenverlosung gehören dazu.

Bevor ich zum Stadtkind wurde, spielte ich ebenda mit in der Musikgesellschaft und verkaufte nach dem Konzert Lösli oder präsentierte beim Lottomatch vor dem nächsten Gang die von den Dorfläden gesponserten Preise.

Heute kriegt das Frühlingskonzert einen Zustupf von Swisslos, nebst Sponsoringbeiträgen der ortsansässigen Firmen. Swisslos-Gelder werden vergeben vom Amt für Kultur des Kantons Bern, welches soeben die neue Kulturstrategie 2018 präsentierte. Das Gros der Gelder fliesst jedoch in die Städte und nicht in die Landgemeinden. Die grossen Kulturinstitutionen und oft auch kulturelle Einzelprojekte sind im städtischen Umfeld angesiedelt, erst recht, wenn es sich dabei um sogenannte professionelle Kultur handelt. In der kantonalen Kulturstrategie wird als einer der Aufträge formuliert, die Bevölkerung am kulturellen Leben teilhaben zu lassen. Da steht: «Die Zusammenarbeit zwischen professionellen und nichtprofessionellen Kulturschaffenden – z.B. einer Laientheatergruppe mit einem professionellen Autor und/oder Regisseur – ist grundsätzlich für beide Beteiligten bereichernd und ist deshalb das wichtigste Modell der Förderung von nicht-professionellem Kulturschaffen.» Regie zu führen beim Lustspiel, wo mein Vater die Hauptrolle spielt, ist wohl nicht  die beste Idee. Aber ich werde ihn einladen, wenn hier in Bern von den «Professionellen» der nächste Schwank gezeigt wird und bitte dezidiert um seine nicht-professionelle Meinung.

Aber zuerst fahre ich aufs Land, zum Frühlingskonzert in die Turnhalle. Vielleicht gewinne ich ja sogar was bei der Nietenverlosung.


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