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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der IG Nachtleben.

Ich kann den Sport-Kultur-Pessimismus in Christian Paulis «Pegelstand» von vergangener Woche nicht teilen. Die grosse L-YB (Liebe) einer Stadt zu ihrem Fussballverein, vereint mit der Liebe einer Stadt zu ihrer Kultur: Das war eine Meister-Feier! Während in Madrid, München oder Manchester platte Mitgrölhits – «La-La-La» – durch die Strassen skandiert werden, feierte Bern ein Fussball-Woodstock im Wankdorf.

Klar, die Sehnsucht nach einem Ruhmesblatt war bei vielen fussballaffinen Bernerinnen und Bernern nach 32 Jahren riesig. Dieser Titeldurst alleine aber erklärt nicht die Form und Intensität, mit der die Hauptstadtbewohner fast einen Monat lang im kollektiven Taumel feierten. Vom 28. April bis zum 27. Mai dominierten das Schwarz und das Gelb aus der Kantonsfahne – und es war für jede und jeden un­übersehbar, dass sich der Berner Wortschatz über Nacht gewandelt hatte: Aus «veryoungboyst» wurde «geyoungboyst». Was lange währte, explodierte mit Trompeten, Regenbögen, Konfetti und – Züri West.

Ebendiese YB-süchtigen Herren lieferten mit «Irgendeinisch fingt ds Glück eim» 2004 nicht nur den träfen Slogan zum Titelgewinn. Schon im Jahr des letzten ernstzunehmenden Titels der Gelbschwarzen (1987) hatten Kuno & Co. mit «Sport und Musik» wohl eher unbewusst das Motto der Meisterfeier 2018 vorweg genommen.

An der Meisterfeier stand nicht nur diese Band mitten im Wankdorfstadion – Wenn Bern ein Fussballfest feiert, dann feiern Kultur- und Fussballfans friedlich gemeinsam. Egal, ob Wurzel 5 wieder aus der Versenkung geholt werden, Oli Kehrli YB-Fans als beste Partie fürs Leben anpreist, Open Season die Massen zum Tanzen bewegt oder Lo & Leduc ihre Telefon­vorwahl feiern – in Bern sind Kultur und Fussball so eng verwoben, dass singende Fussballer nicht peinlich berühren («Fussball ist unser Leben»), sondern Hühnerhautmomente produzieren («On est tous ensemble»).

Und bis zur nächsten Feier «male mir üsi Tröim gäub u schwarz a …»


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