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Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

Christian Pauli engagiert sich bei pakt – Neue Musik Netzwerk und Neustadt Bern für partizipative Kulturprojekte.

Den «abrupten Abgang» von Generalintendant Stephan Märki kann man als dumme Beziehungsgeschichte ad acta legen. Man kann aus der Affäre in der Leitung von Konzert Theater Bern (KTB) auch parteipolitisches Kapital schlagen, so wie es die SVP versucht. Man kann dem Skandal einen Unterhaltungswert nicht absprechen – oder man wendet sich missbilligend ab. All das geschieht. Fünf Jahre lang hat in Bern das heimliche Glamourpaar Märki-Krempl zum Gassen-Tratsch gehört – niemand ahnte ein so bizarres Ende. Jetzt ist der Schaden riesig.
Was nun nicht passieren darf: Zur kulturpolitischen Tagesordnung übergehen. Leider aber muss man befürchten, dass in Bern nach dem autoritären Regime von Stephan Märki genau dies getan wird. Die beruhigenden Worte von Stadtpräsident Alec von Graffenried auf dem Gurtengipfel lassen keinen anderen Schluss zu. Ebenso hat der neu zusammengesetzte Stiftungsrat bisher nicht den Eindruck erweckt, die spektakuläre Krise als Chance zu begreifen, die Organisation KTB grundlegend zu überdenken.

 


Man muss die Sache kulturpolitisch betrachten: KTB, wie es heute aufgestellt ist, passt nicht zur rot-grünen Stadt. In der städtischen Politik werden überall Prinzipien wie Teilhabe, Partizipation und Transparenz erfolgreich angewendet. Aber ausgerechnet der grösste Kulturbetrieb der Stadt verschliesst sich einer zeitgemässen Form von betrieblicher und künstlerischer Leitungsstruktur – ängstlich klammert man sich an die Idee, für die Führung von 500 Mitarbeitenden brauche es einen allmächtigen Superman.
Die Idee der Super-Intendanz ist von vorgestern. Heute sind flexible, flache, ausgeglichene Strukturen unumgänglich, wenn man das einlösen will, was einst auch Märki postulierte: Wir wollen ein Theater machen für diese Stadt. Dazu gehört eine Co-Leitung, die auf Augenhöhe 
verschiedene Sparten und Köpfe als Team führt. Dazu gehört eine neugierige Programmpolitik. Dazu gehört kulturelle Teilhabe. Und dazu gehört eine Kommunikation, die offen und ehrlich ist.


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