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Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

Christian Pauli ist Leiter Kommunikation und Publikationen der HKB. Er lebt in Bern, hat vier Kinder, mag gerne radikale Kunst und dicke Zeitungen.
Illustration: Rodja Galli, a259

Der «Bund» habe das «Grundgefühl seiner Jugend» geprägt, und nun fühle er, «dass dieses Grundgefühl passé» sei, sagt Dieter Fahrer in seinem Film «Die Vierte Gewalt». Nicht nur auf den «Bund», die in Zürich zurechtgestutzte Tageszeitung aus Berner Küche, wird ein Abgesang angestimmt. Das mediale Wehklagen ist rundum. «Entschuldigt die Belästigung, aber es ist wichtig», schreibt ein Nachbar in einem Brief, den er in meinen Briefkasten gesteckt hat. Er arbeitet beim SRF und warnt vor dem «Ende von unabhängigen, von uns allen getragenen Medien».

Jesses! Die Welt geht unter und wir mit ihr! Der Journalismus bricht ein, die Demokratie auch, und mit ihr geht die Freiheit flöten, sagt auch Constantin Seibt, der «Starjournalist», der mit dem kürzlich lancierten Onlinemagazin «Republik» angetreten ist, nichts weniger als die Freiheit zu retten.

Natürlich werde ich am 4. März Nein stimmen und habe das auch öffentlich und ähnlich dramatisch kundgetan. Die staatspolitisch aufgeblasene Aufregung, die in meiner Blase grassiert, geht mir aber allmählich auf den Sack – gerade jetzt, w0 wir realisieren, dass «No Billag» mit grosser Wahrscheinlichkeit deutlich versenkt wird.

Die «No Billag»-Initiative hätte die grosse Medien- und Kulturdebatte sein können – aber dank ihrer dümmlichen Fixierung auf Gebühren und deren Eintreiber ist sie zum Rohrkrepier mutiert. Statt sich mit dem in der Tat dramatischen Medienwandel infolge von Digitalisierung und Globalisierung zu befassen, wird reflexartig für den Erhalt des Bestehenden gekämpft.

Mich befremden die pathetischen Ausrufezeichen und merkantilen Abrechnungen von Frank A. Meyer, des Medienkonzerns Ringiers Stimme aus Berlin («mediales Gemeinwohl» statt «Meinwohl»). Und ich befürchte, dass wir «Echo der Zeit»-Hörer und «Bund»-Leserinnen gerade das Leben verpennen: Denn der «Bund» und Radio SRF gehören definitiv nicht mehr zum «Grundgefühl» der heutigen Jugend.

In Bern wird derzeit über das Vorhaben, eine urbane, junge Kulturzeitschrift zu lancieren, gemunkelt. Wie dem auch sei: Ich wünsche dem Projekt schon mal viel Glück.


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