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Pegelstand

von Sibylle Heiniger
© Rodja Galli, a259

Sibylle Heiniger

Sibylle Heiniger ist Regisseurin, Produzentin und Vorstandsmitglied von ACT Bern, dem Berufsverband der freien Theaterschaffenden. Sie liebt die Aare (vor allem im Sommer) und gute Bücher (immer).

Da war kürzlich die Demo für Lohngleichheit in Bern. Und weil ich krank war, konnte ich nicht mit demonstrieren, sondern wühlte mich zu Hause durch Artikel zum Thema. Unter anderem durch die im Sommer 2016 für Deutschland erschienene Studie «Frauen in Kultur und Medien». Diese zeigt, wie könnte es anders sein, dass Frauen in künstlerischen Berufen wesentlich schlechter verdienen als ihre männlichen Kollegen. Und verdeutlicht, auch nicht weiter verwunderlich, dass in Deutschland insgesamt nur 22 Prozent der Theaterhäuser von Frauen geleitet werden.

 

Berlin bildet eine löbliche Ausnahme: Zwei der sechs Intendanzen der grossen Berliner Theaterhäuser sind weiblich – ein Drittel, immerhin. Wenn man allerdings bedenkt, dass die eine Frau das kleinste der sechs grossen Häuser -leitet und die zweite Frau das freie -Produktionshaus, drückt sich darin das klassische Gefälle aus: Je grösser das Theater und die finanziellen Mittel, desto unwahrscheinlicher, dass eine Frau das Theater leiten wird.

Wie sieht es denn in Bern aus? Bei den durch die Stadt Bern geförderten Theaterinstitutionen werden das Schlachthaus Theater und die Dampfzentrale im Bereich der Darstellenden Künste von Frauen geleitet. Und diese beiden Damen haben für die neue Spielzeit eine vierteilige Gesprächsreihe geplant zum Thema Frauen im Theater. Ausgehend von vier Inszenierungen soll über Strukturen, Macht, Quote und Körper auf und hinter der Bühne diskutiert werden.

Hingegen ist das am höchsten subventionierte Konzert Theater Bern KTB seit seiner Gründung im Jahr 1903 immer in Männerhand gewesen. Die Intendanz des KTB ist pendent und soll mittels Findungskommission neu besetzt werden – wird es eine Frau? Oder wird sogar eine Kollektivleitung gewählt? Denn nebst der Geschlechterdebatte sollte auch die Diskussion über hierarchische Leitungsformate geführt und überdacht werden.

Und wenn ich schon am Fordern bin: Wie wäre es, die Löhne transparent zu machen? Dann hätten wir mehr Zahlen für das Einstehen für Lohngleichheit – nicht nur für die nächste Demo!


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