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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der IG Nachtleben.

«Wer wohnt in ’ner Ananas ganz tief im Meer? Saugstark und gelb und porös und zwar sehr? Wenn der Sinn nach pazifischem Blödsinn euch steht, dann schwingt euch an Deck und kommt ja nicht zu spät! …» Wenn Sie diese Zeilen nicht kennen, haben Sie a) keinen Fernseher, b) keine Kinder oder c) (noch) keine Affinität zu hoch­stehendem, albernem Quatsch.

Am 26. November hat der SpongeBob-Erfinder Stephen Hillenburg die Stadt am Meeresgrund, Bikini Bottom, und diese Welt für immer verlassen. Seinen Namen haben bis dahin wohl die wenigsten gekannt. Die Figuren, die seiner Fantasie entsprungen sind, geniessen weltweit grosse Zu- und Abneigung: SpongeBob Schwammkopf, Patrick Star, Thaddäus Tentakel und wie sie alle heissen. Stars einer Kinderfernsehserie, die – wie die Simpsons auch – immer auch für Erwachsene gedacht war und da auf einer ganz anderen Ebene funktioniert.
«So ne Seich!» ist eine häufige Bewertung dieser turbulenten, durchgeknallten Serie. Die meisten, die so urteilen, haben sich nie eine ganze Folge angeschaut. Dabei funktioniert sie genau gleich wie jede Folge von «Dick und Doof». Die Figuren sind liebenswert, fantasievoll, immer optimistisch, etwas bis sehr verschroben und in ihren Charakteren eine irgendwo zwischen Cabaret Voltaire und Benny Hill angesiedelte Allegorie auf unseren Alltagswahnsinn.

Alle Protagonistinnen und Protagonisten in SpongeBob sind erwachsen. Ihr Verhalten spiegelt das selten bis nie. Regelmässige Versuche, adult zu wirken, scheitern kläglich am Kind in der Figur. Das Verlangen, sich der Fantasie hinzugeben, sinnfreies Tun zu feiern, den Zwängen zu entfliehen und «zu machen, worauf man grad Lust hat», gewinnt immer wieder. Zum Glück!

Trauen Sie sich, mal wieder Zeit zu verplempern. Lassen Sie SpongeBob und seine absurde Truppe stellvertretend Kind sein, wenn Sie sich nicht (mehr) trauen. Oder noch besser: Machen Sie wieder mal einen «Seich», tun Sie «blöd», geniessen Sie etwas Sinnfreiheit. «Ich bin bereit!» Und Sie?


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