Pegelstand

von Barbara Boss
© Rodja Galli, a259

Barbara Boss

Barbara Boss ist freischaffende Produktionsleiterin und Dramaturgin und Mitglied des Theaterkollektivs Faust Gottes. Sie ist ein «Bärgmeitschi» aus dem Oberland, fühlt sich aber in der Stadt Bern heimisch. Sie mag guten Schnaps, Bruce Springsteen und Katharsis im Theater.

Mein Vorgänger Simon Jäggi liess seine letzte Kolumne mit einem Traum ausklingen. Ich erlaube mir, weiter zu träumen – heute von Räumen. Ich bin gegen Vereinzelung und träume von Berner Kulturräumen, die von verschiedenen Menschen zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden. Räume, in denen tagsüber geprobt wird und abends ein Konzert, eine Lesung oder eine Party stattfindet. Wie im legendären Bunker des Berner StudentInnen Theaters BeST. Dessen Spirit treffe ich höchstens bei temporären Nutzungen wie dem Pyrisorium oder dem Gränni an.
Ich träume von mehr Gemeinschafts­ateliers, zum Beispiel in ebensolchen Zwischennutzungen. Im Zieglerspital gibt es städtische Ateliers, im Calvinhaus im Kirchenfeld sogar speziell für junge Menschen. Im Swisscom-Hochhaus in Ostermundigen hingegen werden ein paar Stockwerke von der Zürcher GmbH Projekt Interim verwaltet. Deren Website wirbt bei Eigentümern mit Sätzen wie: «Mit unseren Zwischennutzungen reduzieren wir für Sie Ertragsausfälle und Kosten!» Leerstand also, mit dem vor allem Profit geschlagen wird. Ich träume von der Belebung von leerstehendem Raum durch Eigeninitiative der Kulturschaffenden. Vorbildhaft: das Festivalzentrum von Auawirleben 2014 in der Wifag-Halle.
Ich träume von Theaterhäusern, die sich nicht scheuen, sich nachhaltig mit anderen Institutionen zu vernetzen. Die Synergien nutzen, um es den Gruppen zu erlauben, anders, innovativ zu produzieren. Ich träume von Projekten, die vom Schlachthaus Theater koproduziert, aber in der Grossen Halle der Reitschule aufgeführt werden.
Nicht zuletzt träume ich von mehr Umnutzung von öffentlichem Raum à la NeustadtLab auf der Schützen­matte. Kollektiver, partizipativer Kulturraum statt Parkplatz – Rollschuhdisco statt Blechbrache! I däm Sinn: S’isch ja nur es chlises Träumli gsi.

 


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