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Pegelstand

von Madeleine Corbat
© Rodja Galli, a259

Madeleine Corbat

Madeleine Corbat ist Produzentin bei Recycled Tv in Bern und Präsidentin des Vereins Cinéville / Kino Rex.

Die Schweiz hat gewählt. Ein grosse Sensation, eine kleine Revolution: Die Grünen werden zur gewichtigen Macht im Bundeshaus und so viele Frauen wie noch nie dürfen sich auf die ehrenwerten Parlamentsstühle setzen. Doch was bedeutet das für die Kulturschaffenden in diesem Land? Wohl wenig, denn eine altbekannte Regel besagt, dass mit Kultur keine Wahl zu gewinnen ist.

Immerhin hat es in Bern mit Mat­thias Aebischer ein Mann wieder ins Parlament geschafft, der sich für die Anliegen der Filmschaffenden einsetzt; und gerade im Bereich Film gibt es (internationale) Initiativen für «Green Filming», die sich für eine ökologische Produktionsweise einsetzen, denn nicht nur Hollywood ist eine Dreckschleuder. Und natürlich sind etwa Konzerttourneen nicht besonders umweltfreundlich. Die Kulturschaffenden müssen sich also auch an der eigenen grünen Nase nehmen.

Und die Frauen? In der neuen Kulturbotschaft des Bundes 2021 bis 2026, deren Vernehmlassung eben beendet wurde, wird die kulturelle Teilhabe betont, und dass dabei die Rolle der Frau gestärkt werden soll. Klingt nett, aber nüchtern betrachtet ist es ein Armutszeugnis, dass die Stärkung der Frau auch heute noch und gerade im Kulturbereich per nationale Botschaft betont, ja eingefordert werden muss. Sie dürfte eigentlich kein Thema mehr sein.

Die grün-weibliche Zeitwende im Parlament sorgt deshalb hoffentlich wenigstens dafür, dass das Selbstbewusstsein vieler Frauen in der Kulturbranche weiter gestärkt wird, dass sie sich, wie beispielsweise in der Wirtschaft, ihren Platz erkämpfen, denn offenbar, das haben die Wahlen gezeigt, haben die progressiven Kräfte in Helvetien vielerorts das Zepter übernommen. Selbst wenn mit Kultur­politik keine Wahl gewonnen werden kann, bleibt zu hoffen, dass in der übernächsten Kulturbotschaft des Bundes kein «Frauenparagraph» mehr nötig sein wird. Keine Sensation, keine Revolution, einfach nur Normalität.


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