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Pegelstand

von Sibylle Heiniger
© Rodja Galli, a259

Sibylle Heiniger

Sibylle Heiniger ist Regisseurin und Produzentin und engagiert sich bei t. OK Bern, dem Berufsverband fürs freie professionelle Theaterschaffen. Sie liebt die Aare (vor allem im Sommer) und gute Bücher (immer).

Diesen Satz sprach die eine Schauspielerin auf der Bühne zu Beginn des Stücks und zusammen mit zwei Bühnenpartnerinnen und einem Musiker tauchte sie ab in eine tiefgründige, erheiternde und sehr persönliche Auseinandersetzung mit den Chancen und Gefahren der künstlichen Intelligenz.

Ich tauchte mit ihnen ab und war gebannt von der körperlichen Energie, dem klugen Einsatz von Video und Livemusik, und zum Schluss berührt und in Diskutierlaune. Ich fragte mich, was es war, das mich 75 Minuten lang packte und nicht mehr losliess …

Eigentlich gehen wir davon aus, dass Theater von der Unmittelbarkeit lebt – diese kriegte ich hier frontal, schon fast klassisch, geboten: Zuschauende und Performende zeitgleich in einem Raum, die Zuschauenden schauen von ihren Stühlen aus zu, die Performenden performen auf der Bühne. Nichts Neues. Auch der Livemusiker und die gezeigten Videos agierten in diesem Setting. Doch der Umgang mit Requisiten und die Körperlichkeit der Schauspielerinnen wirkten auf mich ungewohnt, irritierend und erfrischend zugleich. Und nie war eine Wertung drin, was nun gut oder schlecht sei an digitalen Zugängen und künstlichen Welten. Im Gegenteil: eine persönliche Konfrontation mit aktuellen Fakten, fast schon eine Katharsis im aristotelischen Sinne, wo alle Anwesenden emotional berührt werden.

Ich war sehr erfreut über diesen Theaterabend. Zumal ich manchmal betrübt aus Inszenierungen raus komme, die sich mit den neuen Technologien auseinandersetzen und diese nur als Bedrohung sehen. Theater kann mehr. Theater darf sich nicht nur analog denken. Können wir uns vorstellen, online ein Theaterstück zu besuchen? Ist das dann noch Theater? Was ändert sich? Die Unmittelbarkeit oder nur der Raum?

Ich wünsche mir viele gewagte Experimente mit den neuen Möglichkeiten. Doch selber bin ich froh, wenn mein Laptop und das Handy funktionieren und werde weiterhin analog produzieren. Und ich gehe gerne extra ins Theater. Noch …


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