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Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

Christian Pauli ist Kommunikationsleiter der HKB und Präsident von pakt bern – das neue musik netzwerk.

In dieser Kolumne geht es heute nicht um YB und die endlos währende Meister-Euphorie, nicht um die ewig um sich selbst drehende Reitschule und deren randalierende Trittbrettfahrer, nicht um Entscheide und Besetzung der Theaterkommission, nicht um den in der Kulturszene grassierenden Wunsch nach Dialog, und es geht auch nicht um die Belanglosigkeiten, die beflissene Schweizer Medien derzeit von Büne Huber verbreiten. Es geht in diesem Text um etwas ganz anderes, um etwas Singuläres, ein Erlebnis, eine Randnotiz, eine Beobachtung, eine Figur.

Es trug sich letzthin zu, dass in der Grossen Halle das Festival Auawirleben sein Zentrum hatte, daselbst man sich entspannt verlustieren konnte, mit Musik und Unterhaltung, mit Genussmitteln aller Art und unter Anwesenheit einer durchaus als gemischt zu bezeichnenden Klientel. Es war dann gegen zwei Uhr in der (für mich) späten Nacht, als wir beim Austritt aus der Grossen Halle – Sie wissen schon: Vorplatz, Schützenmatte, der Hotspot der Stadt Bern – unvermittelt in einer komplett anderen Szenerie landeten. An die 300 Jugendliche hatten sich «spontan» zu einer «illegalen Vorplatz-Party» versammelt. Sie sangen Lieder, zu denen sie tanzten, lauthals, euphorisiert, gemeinsam und so was von stark.

Gleichsam den Boden unter den Füssen verloren die versammelten Kids – und die wenigen Alten, die sich hierher verloren hatten – als «W. Nuss vo Bümpliz» von Patent Ochsner aus den Boxen schallte. Ich gebe es zu, für mich war es eine kleine Erweckung: Wow, dieser pathetische Song ist stark. Wow, diese Berner Jugend, die hier daheim ist, die hier tanzt und singt, ist so stark. Wow, was für eine tolle Stadt, die solche Orte und Momente zulässt. Und jetzt wissen Sie auch, dass alles nicht stimmt, was ich eingangs geschrieben habe. Dass dieser Song mit diesem Moment, diese Kolumne also mit YB, Euphorie, «Wir müssen reden», Ausschreitungen, Reitschule und Patent Ochsner zu tun hat.

Welcome to hell – I love you Berne.

 


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