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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der BuCK-Nachtleben Bern.

Es gibt Momente, da ist es besser, man schreibt keinen Brief. Jetzt ist so ein Moment. Es könnte sein, dass man sich etwas im Ton vergreift oder in etwas versteigt, aus dem man schlecht einen Ausweg findet. Deshalb, Herr Bundesrat Berset, schreibe ich Ihnen heute nicht.

Ich äussere mich nicht zu Ihrer Absicht, der Berner Kultur wenn nicht ein Lungenflügel, so doch zumindest eine Niere rauszuschneiden. Ich verliere kein Wort darüber, was für ein Zeichen Sie der Bundesstadt, deren Kulturschaffenden und Kulturstätten zusenden. Es wird keine Rede sein davon, dass Sie der Bundesstadt in einem Handstreich drei Prozent ihres Kulturbudgets wegstreichen – ohne einen triftigen Grund zu nennen.

Ich werde Ihnen nicht vorhalten, dass die Streichung in Verkennung der Realität an der Front passiert, weil die Vielfalt in der Stadt seit letztem Jahr mehr gefördert wird – die Freie Szene erhält mehr Geld denn je gegenüber den etablierten Häusern.

Ich werde auch nicht monieren, dass sich der Bundesrat mit seiner Kritik bezüglich der Verteilung der Gelder in die Kulturpolitik der Stadt Bern einmischt – oder nicht das Gespräch sucht, sondern seiner Meinung nur fiskal Nachdruck verleiht.

Es werden Ihnen Gedanken dazu erspart, dass die Bundesmillion nie als Abgeltung der Lasten der Bundesstadt gedacht war, sondern ein Förderbeitrag an die kulturelle Vielfalt. Eine Vielfalt, von der auch Angestellte des Bundes, Bundesparlamentarier, Diplomatinnen in Bern und sogar interessierte Bundesräte profitieren.

Ihnen als Kulturminister bleibt auch mein Gedanke erspart, dass, wenn die Hauptstadt und ihre Kulturinstitutionen in Zukunft auf ermässigte oder Gratis-Tickets für nationale Politikerinnen und Politiker verzichten und dem Bund alle Gebühren voll in Rechnung stellen, die Million bald zurück in Bern sein wird.

Aber vielleicht erzähle ich Ihnen das alles am nächsten Kultur-Apéro …


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