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Pegelstand

von Wolfgang Böhler
© Rodja Galli, a259

Wolfgang Böhler

Wolfgang Böhler ist Philosoph, Dozent für Musikphilosophie und -psychologie und Gründer des Onlinemagazins Codex flores. Er publiziert zu Musikwirkungsforschung und Kulturpolitik und ist Dirigent von Männerchören.

Das Bundesamt für Kultur hat das erste «Handbuch zur kulturellen Teilhabe in der Schweiz» herausgegeben. Kulturelle Teilhabe ist eines der hauptsächlichsten Ziele der Kulturpolitik des Bundes. Die Kulturbotschaft vermittelt oberflächlich den Eindruck, als hätte es so etwas bisher nicht gegeben und müsse nun endlich einmal angepackt werden. Es besteht dabei die Gefahr, zu ignorieren, dass das traditionelle Vereinswesen der Schweiz schon seit jeher höchst erfolgreiche kulturelle Integrationsleistungen auszuweisen hat. Allerdings ist es auch ihm nur ungenügend oder gar nicht gelungen, Zuwandernde mitzunehmen. In Chören und Blasmusiken hierzulande finden sich kaum Türkinnen, Spanier, Albanerinnen und Polen. Sportvereine leisten in dieser Hinsicht mehr.

Dieser Mangel charakterisiert – bei allen Bekenntnissen zu Teilhabe und Vermittlung – allerdings auch die Stadtberner Medien und Kulturinstitutionen, vor allem in den Führungsetagen. Die Berner Gesellschaft bleibt weitgehend unter sich – Ausnahmen bilden deutsche Fachkräfte. Im kulturpolitischen Dialog der Stadt wird zwar gerne heftig polemisiert, skandalisiert und reklamiert, dass wegen Verfilzungen Minderheiten oder ästhetische Abweichler zu wenig Zugang zu den staatlichen Ressourcen hätten und kaum Gehör fänden. Im Grunde genommen sind aber auch diese Abweichler Alteingesessene und damit Teil der etablierten Berner Gesellschaft.

Eine Auffrischung wird die Berner Kulturszene wohl erst erhalten, wenn die Eliten nicht bloss bereit sind, mit Aktionsprogrammen und Partizipa­tionsinitiativen Migrantinnen und Migranten anzusprechen, sondern auch in den Führungsriegen Platz zu machen. Erst so könnten diese ihre Ideen einbringen, ohne dabei das Gefühl zu haben, der Berner Grosszügigkeit ewig zu Dank verpflichtet sein zu müssen.


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