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Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

Christian Pauli ist Kommunikationsleiter der HKB und co-leitet pakt bern – das neue musik netzwerk. Er pendelt zwischen Aare, Rhein und neuerdings Schüss.

 

Derzeit wird in Bern unüblich viel über Kulturpolitik gesprochen. Das ist bitter nötig, denn die Aussichten sind, wie hier schon vermeldet, düster. Nicht nur, dass die Stadt ihre eh schon klammen Finanzen ab 2020 mit einem allgemeinen Minus von 10 Prozent ausgleicht, nein, die Stadt will die Kürzungen ihrer Dienste auch in der Kulturförderung durchziehen: minus 3,5 Millionen. Kommt dazu: Die umstrittene Bundesmillion ist Geschichte – auch der Ständerat hat den Zustupf für Berner Kultur versenkt.

Die Berner Kulturförderung steht mit abgesägten Hosen da, dem kul­turhänderingenden, wahlkämpfenden Alec von Graffenried weht eine steife Brise entgegen. Der Stadtrat hat – von der Kulturszene erfolgreich unter Druck gesetzt (Wahljahr!) – für das nächste Jahr das Schlimmste abgewendet: nur 70 000 weniger für freie Förderung, statt des vom Gemeinderat geplanten Kahlschlags über 364 800 Franken.

Endlich wird in dieser Stadt über die kulturellen Nöte der Kleinen gesprochen. Freie Förderung heisst nämlich individuelle, direkte Förderung. Da kann der Stadtpräsident noch lange über die Zusammenhänge zwischen institutioneller und Projektförderung reden: Jetzt müssen die Weichen anders gestellt werden. Wenn die Berner Kulturpolitik sozialer und jünger werden soll, müssen die grossen, etablierten Institutionen kürzertreten. Aus sozio-kulturellen Gründen gibt es keine Alternative dazu.

Aber warum soll die Kulturpolitik jünger werden? Weil etwas in der aktuellen kulturpolitischen Debatte bisher vergessen ging: die Jugend. In einer linken Stadt muss Kulturförderung auch Sozialpolitik sein. Der Generation zwischen 15 und 20 hat man die Schütz blockiert, einen Frühling und Sommer und Herbst geklaut, und ich fürchte, mindestens auch noch den Winter. Darum: Lasst die Jugend kulturell nicht im Stich. Fördert Plätze, Hütten, Zelte, Wagenburgen, Partys. Sonst wird unsere Jugend Paläste stürmen oder noch schlimmer: sich im Elend oder der Lethargie abschiessen. Übrigens: In einer linken Stadt muss auch die Polizeipolitik sozialer sein. Es ist total deplatziert, wie Polizeidirektor Nause simple Law-and-Order-Argumente auftischt, wenn die Jugend mal wieder geknallt hat in dieser Stadt.


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