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Pegelstand

von Barbara Boss
© Rodja Galli, a259

Barbara Boss

Barbara Boss ist freischaffende Produktionsleiterin und Dramaturgin. Sie ist ein «Bärgmeitschi» aus dem Oberland, fühlt sich aber in der Stadt Bern heimisch. Sie mag guten Schnaps, Bruce Springsteen und Katharsis im Theater.

Die Kolumnistin ist ehrlich geschrieben ziemlich erschöpft. Der Corona-Admin, wie sie es nennt, müde. Der Arbeitsalltag vieler Kulturschaffender besteht momentan darin, Veranstaltungen zu verschieben zu versuchen, Corona-Bestimmungen in ihrer irremachend föderalistischen Vielfalt nachzulesen, immer wieder neue Schutzkonzepte zu erfinden und mit der allgemeinen Unsicherheit und Beklommenheit arbeiten und leben zu lernen.

Auch für die Kolumnistin vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neues Corona-Massnahmen-Problem auftaucht, das etliche Mails, Telefonate und Nerven kostet. Beispiel: Ein Stück gastiert in Zusammenarbeit mit einem Theaterhaus in einem Club in Lausanne. Im Kanton Waadt sind Clubs aber geschlossen. Das Theater hat zwar eine Spezialbewilligung für die Aufführungen gekriegt, es dürfen aber keine Getränke serviert werden. Was bei diesem Stück, das sich einer Stripclub-Atmosphäre bedient, eigentlich zur Wirkung beitrüge.

Also halt kein Table Service. Das ist kein Weltuntergang. Was die Kolumnistin dabei und generell besonders entkräftet, ist das ewige Reagieren. Nichts scheint mehr aus einem künstlerischen Impuls heraus zu geschehen oder von einem inneren Narrativ geleitet zu sein. Wir richten uns nach dem, was vorgegeben wird, halten uns an sich im Wochentakt ändernde Regelungen, arbeiten bei vielem ins unbezahlte Leere, stolpern von einer existenziellen Notlage in die nächste. Und das Ausbleiben des selbstbestimmten Agierens killt jegliche Inspiration.

Wer weiss – vielleicht sind wir dann irgendwann im Nachhinein froh, hatten wir einst wenigstens noch ein bisschen Arbeit und Perspektive. Und Jammerä bringt nüt. Aber die Kolumnistin musste sich das jetzt mal von der Seele schreiben. Und macht sich davon gestärkt ans Agieren. Und hätte auch grad noch ein paar Vorschläge für die Berner Kulturszene und -politik. Mehr dazu nächstes Mal.

In diesem Sinne: «Wozu, wozu, wozu gehört uns das ganze bunte Leben?» (Max Prosa)


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