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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der BuCK-Nachtleben Bern.

Verzeiht, ich hört euch deklamieren: «Was braucht Kultur Zuschauer oder Geld? Sie brauchet – Klicks!» Klicks auf der paywallgeschützen Homepage der «Bunder Zeitung», der zusammengelegten Zürcher Tageszeitung für die Region Bern. So unternehmerisch kalt hallte es vor wenigen Wochen durch die Redaktionsräume der «Berner­modell-Zeitungen.» Kulturjournalistinnen und -journalisten wurden gescholten, zweigleisig Opernaufführungen zu besuchen und zu rezensieren. Eine Geldverschwendung, die nur daran hindert, den Abend vor dem Fernseher zu verbringen und Kritiken über Netflix-Produktionen zu verfassen, die man dann auch mit Werbung gekoppelt verlinken und – jawohl – liken kann. «The Crown» vs. «Otello».

Auf dem Altar der schönen, neuen Medienwelt wird in Bern ein diverser Kulturjournalismus geopfert. Das Feuilleton wird zur 20-Minuten-Sache mit Bildern vom roten Teppich statt adjektivreicher Entladungen von berührten oder kalt gelassenen Reportierenden.

Nationale Ausstrahlung als Kriterium für «regionale» Berichterstattung wird es lokalen Kulturproduktionen noch schwerer machen, den Weg in die Zeitung und damit zu den Menschen zu finden – nachdem die kostenlose Agenda von «Bund» und «BZ» durch einen Anbieter ersetzt wurde, bei dem das gesicherte Erscheinen des Events im Print erkauft werden muss. Wo der Kultur schon das Wasser bis zum Hals steht, schüttet man noch Gänsewein nach.

Das Ende der Lokalberichterstattung wird sich auch auf die Kultur unserer direkten Demokratie auswirken. Gemeindeversammlungen werden dem Volkstheater in der Schulhaus­aula gleichgestellt und aus dem medialen Bewusstsein gestrichen. Wo heute dank publizistischer (Schein-)Konkurrenz im Lokalen und Kulturellen noch eine Vielfalt an Meinungen und Themen abgebildet wird, erhalten Bernerinnen und Berner in Zukunft medialen Einheitsbrei serviert.

Neue Berner Medienwelt! Mir graut’s vor Dir.


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