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Mathias Énard spricht in Bern über die Geopolitik im Mittelmeerraum© Renaud Monfourny
Polit-Forum, Bern

Auf ein Wort, Mittelmeer

Mathias Énard, der Autor, der sich dem Kriegsgeschehen im Mittelmeerraum literarisch widmet, hat seit Frühling 2020 die Friedrich-Dürrenmatt-Gastprofessur für Weltliteratur an der Uni Bern inne.

Der Mittelmeerraum als blauer Friedhof – So bezeichnet der Protagonist Francis im 2008 erschienenen und viel gelobten Roman «Zone» des französischen Autors Mathias Énard diesen von Kriegen, Konflikten und Gräueln übersäten Raum, der immer auch als Abziehbild von romantischen Ferienklischees inszeniert wird. Als Soldat, Mörder, Vergewaltiger, Söldner und Spion, aber auch als Sohn einer katholischen Patriotin, deren Vater ein kroatischer Ustascha-Scherge war und eines Veteranen des Algerienkrieges von 1962 hat Francis den Mittelmeerraum kennengelernt.

Opfer des Terrors, der Rache

Während einer Zugfahrt nach Rom, wo er dem Vatikan heikle Informationen verkaufen und sich eine neue Identität erkaufen will, resümiert er sein Leben. «All diese Gesichter schieben sich übereinander, die entsetzten, enthaupteten, verbrannten, von Kugeln durchsiebten, von Hunden oder Füchsen angefressenen, amputierten, verrenkten, gefolterten, gehängten, vergasten, die meinen und die der anderen, ihre Gesichtszüge sind immer dieselben, es ist eine ganze Menschheit, eine Ikone, ein endloser Zug, ein langer Marsch, von Schuldigen, von Opfern des Terrors der Rache.» Francis Ziel: Aussteigen, aufhören, neu anfangen. «Der Zug fährt wieder los, plötzlich habe ich den Eindruck, die Namen aus dem Koffer tropften auf mich herab wie Verwesungssaft einer Leiche. Fünf Jahre spielte ich Historiker im Verborgenen, jetzt ist es vorbei.»

Heutige Geopolitik

Énard, der Arabisch und Persisch studiert hat, aber auch Katalanisch, Spanisch und Englisch spricht, hat mehrere Jahre im Libanon, in Syrien und Teheran verbracht, nun wohnt er in Barcelona. Der französische Autor und Übersetzer hat seit Frühling 2020 die Friedrich-Dürrenmatt-Gastprofessur für Weltliteratur an der Uni Bern inne. In diesem Rahmen hat er Vorlesungen zu Kriegsliteratur und Literatur der Mehrsprachigkeit gehalten.

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