mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv

Das lesen Berner Buchhändlerinnen diesen Sommer

Wenn einem im Sommer der Lesestoff ausgeht, ist das schlechtes Timing. Fünf Buchhändlerinnen geben ihre Lektüreempfehlung für die heissen Tage.

Wilder Westen, ganz aktuell

Einen für sie sehr ungewohnten Handlungsrahmen habe der Roman «Die Gesetzlose», sagt Milena Leutert von der Queerbooks-Abteilung der Buchhandlung Weyermann. Doch gerade deswegen fasziniere das Buch von Anna North, das einen in den Wilden Westen des Jahres 1894 versetzt: Eine mysteriöse Grippe wütet, die unfruchtbar macht, weswegen die Frauen Kinder zur Welt bringen sollen. Da die junge Heldin Ada nicht schwanger wird, wird sie von der Gemeinschaft verstossen – und von einer Gang von Geächteten aufgenommen. «Mit der thematisierten Erwartung, Frauen müssten gebären, behandelt das Buch Hochaktuelles in einer anderen Welt», sagt Leutert.

Anna North: «Die Gesetzlose». Eichborn, 2022
www.queerbooks.ch

Ein bisschen Marry Poppins

Sehr britisch, verspielt und mit unerwarteten Wendungen, jedoch ohne die Tiefgründigkeit zu verlieren, sei der Roman «Mädchen auf den Felsen» von Jane Gardam, den Gabriela Bader von der Buchhandlung zum Zytglogge empfiehlt. Protagonistin ist die 8-jährige, aufgeweckte Margaret, die während eines Sommers wöchentlich mit ihrem Kindermädchen, das im Gegensatz zu Margarets Familie kein Tabu kennt, mit auf Ausflüge darf. Diese Ausflüge haben ungeahnte Konsequenzen für die ganze Familie, sodass am Ende des Sommers alles anders ist als zuvor, erzählt Bader.

Jane Gardam: «Mädchen auf den Felsen». Hanser Berlin Verlag, 2022
www.zytglogge-buchhandlung.ch

Badespass mit Maus und Bär

Vom Chinderbuechlade empfiehlt Ruth Baeriswyl das Bilderbuch «Mäusesommer Bärenglück». Mit allerliebsten Illustrationen und viel Wortwitz begleite das Buch von Kristina Andres Kinder zwischen 3 und 8 Jahren an den See zum Badespass. Da hilft der Bär der Maus auch beim Packen, da die fürs Wasserskifahren sogar den Skianzug mitzunehmen gedenkt. «Das Buch macht Spass, weil es auch das Gefühl im Wasser vermittelt», so Baeris­wyl. Etwa wenn die Kuh Mühe mit dem Schwimmen hat, weil sich ihr gehäkeltes Badekleid mit Wasser vollsaugt.

Kristina Andres: «Mäusesommer Bärenglück». Edition Nilpferd, 2022
www.chinderbuechlade.ch

Ein Klassiker zum Entspannen

Wenn es darum geht, sich in den Ferien vom Alltag zu distanzieren, dann setzt Monika Steiner von der Münstergass-Buchhandlung auf Klassiker. Aus der schönen Dörlemann-Reihe gefalle ihr «Der Brief im Taxi» der französischen Schriftstellerin Louise de Vilmorin besonders. Der kurze Roman versetzt einen ins gehobene Pariser Bürgertum. Céciles Verlust eines geheimnisvollen Briefes löst eine verwickelte Handlung aus. «Mir gefallen der Unterhaltungswert und die Spannung dieser Novelle, die Zeit und das Lebensgefühl Anfang des 20. Jahrhunderts».

Louise de Vilmorin: «Der Brief im Taxi». Dörlemann, 2016
www.muenstergass.ch 

Klingt kitschig, ist es aber nicht

Auch in der Sommerlektüre von Franziska Strauss von der Buchhandlung am Stadtbach geht es um ein mysteriöses Dokument – ein Manuskript genauer gesagt. Die Protagonistin Anne-Lise stösst in einem Hotelzimmer in der Bretagne darauf und macht sich auf die Suche nach dem Autor. «Mehr will ich gar nicht verraten», sagt Strauss über den Roman «Das Glück auf der letzten Seite» von Cathy Bonidan. Nur, dass auf diesem Buch ein Zauber liege: «Es klingt furchtbar kitschig, das ist es aber überhaupt nicht!»

Cathy Bonidan: «Das Glück auf der letzten Seite». Zsolnay, 2022
www.buchhandlungbuempliz.ch

PS: Wem hier das Verbrechen fehlt, für den hat Strauss noch einen Krimitipp auf Lager: Das neue Buch «Stunde der Flut» des australischen Autors Garry Disher. «Seine Bücher kann ich allen ans Herzen legen, die klimafreundlich auf das einfache Land oder an die Strände Australiens reisen wollen», so Strauss. Im neusten Werk Dishers versucht der suspendierte Polizist Charlie Deravin das Verschwinden seiner Mutter zu klären.

Folgen Sie uns

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden