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Das Theater an der Effingerstrasse, Bern

«Ein Gegenpol zum ewigen Rauschen»

«Schreibstoff» heisst das Nachwuchsformat des Theaters an der Effingerstrasse. Mentorin ist die Schriftstellerin und Dramatikerin Gornaya. Im Interview spricht sie über Konkurrenz, überflüssige Figuren und Erfüllung.

Gornaya, wie lässt sich Jugendlichen das ­Theater schmackhaft machen?
Man muss ein Thema finden, das sie interessiert. Ich kann ihnen schon mit «Faust» kommen, wenn sie dazu aber keinen Bezug herstellen können, hängen sie ab. Auf die Frage «Was hat das mit uns zu tun?» muss ich eine gute Antwort parat haben.

Das diesjährige Thema für die «Schreibstoff»-Ausgabe lautet «Freiheit». Da bieten Sie ein breites Spektrum.
Die Jugendlichen können sich von der These inspirieren lassen, die ich formuliert habe: «Freiheit ist etwas sehr Individuelles. Aber immer geht es um Möglichkeiten; um Träume, Wünsche, Bedürfnisse.» Die Freiheit ist zu jedem Zeitpunkt im Leben eines Menschen wichtig. Jedoch für Jugendliche ist sie noch zentraler, da sie sich im Aufbruch befinden.

Wie verhindern Sie, dass das Thema zu allgemein gehalten wird?
Das Interessante am Schreiben ist es ja, einen Zugang zu sich selbst zu finden und sich gleichzeitig mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Ich helfe, eine eigene Geschichte zu entwickeln. Etwas Eigenes zu formulieren erfüllt die Jugendlichen mit Stolz. Dieser Prozess ist auch ein Gegenpol zum ewigen Rauschen auf Social Media, wo sich vieles wiederholt, anonym und austauschbar wird. Beim Schreiben geht es darum, zu reflektieren: Was und wie denke ich, was will ich erzählen? Wie entwickle ich eine eigene Sprache? Das ist tatsächlich eine grosse Anstrengung. Ist das Resultat jedoch da, spüre ich eine grosse Motivation und Befriedigung.

Für «Schreibstoff» werden drei junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren ausgewählt, es besteht die Möglichkeit, dass eines der Stücke zur Aufführung kommt. Das ist relativ exklusiv und kann zu einem Konkurrenzdenken führen. Wie gehen Sie damit um?
Natürlich gibt es eine Art Wettbewerb. Das ist aber auch später so, wenn man sich in der Szene behaupten muss. Jedoch verbindet das Austauschen von Erfahrungen mehr, als die Konkurrenz trennend wirkt. Ausserdem entwickeln die Jugendlichen in dieser Zeit nicht nur einen Text, sondern lernen auch den Theaterbetrieb kennen.

Wie war das mit der Förderung in Ihrer Karriere?
In ganz jungen Jahren habe ich sie in diesem Sinne, wie wir sie mit «Schreibstoff» anbieten, nicht erfahren. Aber ich habe bereichernde Zusammenarbeiten erlebt. Etwa, als ich Hausautorin am Konzert Theater Bern war und in der Spielzeit 2016/2017 mit dem Dramaturgen Michael Gmaj zusammengearbeitet habe. Da merkte ich, wie wichtig es für mein Stück «Island» ist, über Text, Idee, den sprachlichen Aufbau und die Figuren zu reden. Auch sehr gut in Erinnerung geblieben ist mir die Arbeit mit Lukas Bärfuss für mein Theaterstück «Nanjing». Er hat mir den spielerischen Umgang mit dem Stoff beigebracht. Das Hinter­fragen ist wichtig: Ist das jetzt eine ­Komödie? Oder doch eine Tragödie? Braucht es diese Figur wirklich? Ich war bereits sehr festgelegt. Er aber hat alles hinterfragt. Da habe ich erkannt: Was ich denke und schreibe, ist immer nur eine Möglichkeit von vielen.

Wer darf sich für «Schreibstoff» bewerben?
Junge Menschen, die Freude am Schreiben haben. Theatererfahrung ist dabei nicht nötig. Teil der Bewerbung ist lediglich eine selbst geschriebene Szene und eine Idee für ein Stück.

Bewerbung bis 13.9.:
www.schreib-stoff.ch
www.dastheater-effingerstr.ch

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