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Legende: Den Dachschaden nutzen sie kreativ: Mitglieder des Heitere-Fahne-Kollektivs.© Heitere Fahne
Heitere Fahne, Wabern

Geschichten für die Heiterkeit

Die Heitere Fahne darf ihren Gastronomiebetrieb wieder öffnen. Die zehn Wochen nach der temporären Schliessung nutzt das Kollektiv des Hauses für eine Dachsanierung und eine Geschichtenserie.

Im Jahr 1348 wütet die Pest in der italienischen Stadt Florenz. Zehn junge Menschen wollen vor der wütenden Seuche auf die andere Seite der Stadtmauern fliehen. Ein wenig ausserhalb der Stadt, auf einem Landgut mit park­artigem Garten, versuchen die sieben Frauen und drei Männer, die Angst zu vergessen. Statt ihr Leben von der Pest bestimmen zu lassen, wollen sie es mit feuchtfröhlichen Festen in vollen Zügen geniessen. Zehn Tage verbringt die Gruppe dort in den Hügeln von Florenz, und jeden Tag wird eine Person zum König oder zur Königin gekürt. Diese bestimmt ein Thema, zu welchem tagsüber alle zehn Personen je eine Novelle erzählen. Am Ende sind es 100 Geschichten über verschiedene Schicksale, über die Liebe und das Leben. Etwa so lässt sich der berühmte Novellenzyklus «Il Decamerone» von Giovanni Boccaccio aus dem Jahre 1349 zusammenfassen. In der Heitere Fahne lässt man sich in den kommenden zehn Wochen von diesem Prosawerk der Renaissance inspirieren.

Erzählende Königinnen und Könige

Der Gastronomiebetrieb des Lokals darf wieder öffnen, wenn auch unter bestimmten Auflagen. So wird auch der «Pizzamittwoch» wieder zum Leben erweckt. Was das mit Boccaccio zu tun hat? Das Kulturhaus soll für zehn Wochen zum Rückzugsort werden, wo gelacht, gelauscht und gegessen werden kann. Während die Gäste das Essen geniessen, übergibt die Heitere Fahne unter dem Titel «Das Heitere Zehn-Tage-Werk» wöchentlich einer anderen kulturschaffenden Person die Krone. Diese bestimmt, mit welcher Geschichte die vor Ort Speisenden, aber auch die per Livestream Zugeschalteten, inspiriert werden sollen. «Das sind Menschen vom Kollektiv oder dem Haus verbundene Künstlerinnen und Künstler», sagt Rahel Bucher vom Kollektiv. Die Krone tragen und die Geschichte erzählen werden etwa die Schauspieler­innen Marie Omlin und Newa Grawith oder der Schauspieler Andri Schenardi.

Vorgaben gebe es keine, nur der Abstand müsse natürlich gewährleistet sein. «Die Künstlerinnen und Künstler sind irgendwo fest im ganzen Gastroablauf integriert. Sie erzählen vielleicht als Servierende oder hinter der Bar», sagt Bucher. So werden die Geschichten in einem performativen Akt vorgetragen.

Neues Dach für das Theater

Langsam gibt es in der Heitere Fahne also wieder Kulturbetrieb, wenn auch in kleinem Rahmen. Gleichzeitig nutzt das Kollektiv die zehn Wochen auch für eine Sanierung. Während in der Beiz der Geschichtenzyklus weitergeht, steigen einige vom Kollektiv aufs undichte Dach, unter dem sonst die Bühne steht, und legen selbst Hand an. «Wir wollen die leere Zeit während Corona nutzen, um etwas Sinnvolles und Zukunftsweisendes zu tun, und um nachhaltig an einer inklusiven, solidarischen und offenen Gesellschaft wirken zu können», heisst es in der Medienmitteilung. Für die Finanzierung der Dachsanierung sucht das Kollektiv über ein Crowdfunding noch nach Unterstützung.

«Zehn-Tage-Werk»: Jeweils Mittwoch, 20 Uhr
Live-Stream: www.dieheiterefahne.ch
Crowdfunding Dachsanierung: www.crowdify.net/de/projekt/heitere-dachschaden/project

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