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Simone Meier: «Ich versuche, es mir nicht allzu bequem zu machen.»© André Wunstorf
Le Singe, Biel / Musigbistrot, Bern

«Ich verbiete mir, Schiss zu haben»

Sie schreibt seidenfeine Kolumnen und arbeitet am nächsten Buch. Simone Meier pendelt gekonnt zwischen Journalismus («Watson») und Literatur («Kuss»), setzt sich fürs Bild und Recht der Frau ein, twittert aktiv und überlistet sich immer wieder selber, kennt den Schreibrausch und wagt sich nun ans «Rauschdichten».

Simone Meier, kürzlich twitterten Sie «Erkenntnis am Morgen: In 50 Tagen bin ich 50.» …
… mein Älterwerden beschäftigt mich. Ich ertappe mich dabei, wie ich in meiner Kolumne für die «Schweiz am Wochenende» plötzlich oft über ältere Frauen schreibe. Angela Merkel, Judi Dench, alte Zürcher Bardamen. Auf einmal habe ich eine Galerie von älteren Frauen zusammen und frage mich, wieso mach ich das? Offenbar bin ich am Vorbilder suchen oder so.

Es ist auch Ihr Thema beim Rauschdichten: «Das Leben der alten, weis­sen Frau.»Roger Schawinski und Markus Somm haben mich mal in ihrer Radiosendung alte, weisse Frau geschimpft. Als ich nun fürs «Rauschdichten» gefragt wurde, über was ich dichten und reden will, fiel mir diese Aussage wieder ein. Ich dachte, vielleicht kann man ja daraus etwas Lustiges machen.

Sie freuen sich?
Ich habe wahnsinnig Angst!

Warum?
Da sind Leute, die total schnell sind in Kopf und Zunge, so spontan, treffsicher und rhythmisch. Poetry Slam, Spoken Word, Impro. Das bin ich nicht. Ich bin keine Entertainerin. Eigene Texte lesen, das geht. Doch mein Werkzeug ist definitiv das Schreiben. Eigentlich kann ich nichts anderes.

Und trotzdem haben Sie zugesagt!
Ja. Ich verbiete mir, Schiss zu haben. Versuche es mir nicht allzu bequem zu machen und mich immer wieder selber zu überlisten. Auch beim Schreiben.

Inwiefern?
Die Geschichte muss etwas haben, das ich nicht kenne. Gerade sitze ich an meinem nächsten Buch und brüte über dem Dialog von zwei 18-Jährigen. Ich habe kaum etwas mit dieser Generation zu tun, weiss nicht wie sie reden. Also muss ich daran arbeiten, muss es herausfinden. Manchmal muss ich mir das antun, um in einer Geschichte weiterzukommen.

Kommen Sie beim Schreiben in eine Art «Rauschdichten»?
Ein von aussen gesteuerter Rausch funktioniert nicht bei mir. Als ich jung war versuchte ich mal auf Koks zu schreiben. Danach musste ich jedes einzelne Wort löschen. Es war wahnsinnig langweilig. Hingegen kenne ich den Schreibrausch von innen. Wenn ich keine zeitliche Beschränkung habe, kann ich in einen derartigen Fluss geraten, völlig zeitvergessen, dann ist es sprachlich wie aus einem Guss und ich schreibe, schreibe, schreibe.

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