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Am südwestlichen Punkt des europäischen Festlandes angekommen: Vera Urweider.© Artjom Avercenco

Inselpost 54

Nach ihrer langen Insolation auf den Kapverden ist sie nun auf dem Nachhauseweg - und schreibt Briefe.

Odeceixe, 14.6.2021

Lieber Vincent,

wir waren also da. Da, wo Du uns empfohlen hattest hinzufahren. Du wandertest im Oktober 2019 den Fisherman’s Trail von Porto Covo nach Sagres runter, an den südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Zum Cabo de São Vicente. Wie passend für Dich, lieber Vincent, dachte ich, als ich das zum ersten Mal las. Und wie unbedingt will ich auch zu diesem allersüdwestlichsten Punkt, der nicht nur so heisst wie Du, sondern auch so wie jene kapverdische Insel, auf welcher ich die letzten fünf Monate verbrachte. Und auf welcher Artjom und ich spontan entschieden haben, uns gemeinsam mit Auto und Dachzelt wieder an Europa heranzutasten. Beende ich also später diese Zeilen an Dich, geht’s zu «Deinem» Kap.

Irgendwann stiess ich im Netz auf Deine Bilder - Fotos von Deiner Atlantikküstenwanderung, die Du unter «Vincent Is Somewhere» veröffentlicht hast. Bis zu diesem Moment warst Du für mich in erster Linie Schräggegenübernachbar, Grafiker und Illustrator. Aber Du bist zweifelsohne auch Fotograf und etwas mit schuld, dass wir gestern an einem atemberaubend schönen Ort waren. Auf den Klippen neben der Flussmündung bei Odeceixe. Diese Farben! Diese Formen! Diese Felsen, wie sie Schicht für Schicht aus dem Wasser ragen! Dieses Licht. Diese Kraft der Natur. Diese Unberührtheit. Am liebsten würden wir bleiben und weiterstaunen. Auf einer der scharfen Klippen entdeckten wir sogar eine Klapperstorchenmutter beim Füttern ihrer Kinder. In freier Wildbahn.

Wir sind froh, bereits nach nur zwei Tagen Lissabon und etwas Setúbal - hier begegneten wir übrigens hautnah freilebenden Delfinen - wieder in der Natur zu sein. Noch immer sind relativ wenige Menschen unterwegs. Reisen in der Pandemie hat durchaus seine guten Seiten.

Eigentlich wollten wir ja diese Leere in vollen Zügen geniessen und von Odeceixe zum Meer wandern. Doch lernten wir bei São Teotónio eine kapverdische Familie kennen und nach einem samstagabendlichen Schluck Santo Antão Grogue, den wir mit im Gepäck haben, wurden wir kurzerhand zur Catxupa am Folgetag eingeladen. Nach nur einer Woche Europa war die Sehnsucht nach dem kapverdischen Nationalgericht und den Unterhaltungen in Kreol (und nicht selbstgebasteltem Portugiesisch) wohl gross genug und wir entschieden uns fürs Essen anstatt fürs Wandern.

Liebe Grüsse von Deinem Kap,

Vera Urweider

Vera Urweider schreibt und fotografiert dort, wo sie gerade ist und das, was sie gerade sieht. Nach einer Tanzschule widmete sie sich der Bewegung im Kopf: Sie studierte Medien, deutsche Literatur und Ethnologie in Fribourg und absolvierte die Journalistenschule in Luzern und Hamburg.
Nach ihrer langen Insolation auf den Kapverden ist sie nun auf dem Nachhauseweg - und schreibt Briefe. Wer mag, schreibt ihr einen zurück: vera.urweider@gmail.com

 

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