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Vera Urweider in der Hauptstadt Andalusiens: Sevilla.© Artjom Avercenko

Inselpost 55

Nach ihrer langen Insolation auf den Kapverden ist sie nun auf dem Nachhauseweg - und schreibt Briefe. Sevilla, 21.6.2021

Liebe Vera K.,

«Du chunnsch hei?», fragtest Du. Ja. Ich bin auf dem Nachhauseweg. Langsam schlichen wir von Lissabon in den Süden Portugals und passierten ganz ohne Corona- oder Passkontrolle die Grenze zu Spanien – während Lissabon wieder dichtgemacht hat. Der Jeep mit dem Zelt auf dem Dach ist mittlerweile unser Zuhause. Ankommen. Aufklappen. Abendessen. In den zwei Wochen wurden Artjom und ich zum eingespielten Campingteam. Selbst der andalusische Bergregen bringt uns nicht in ein Haus.

Ein eingespieltes Team, das waren auch wir, zusammen mit unseren Mitstreiterinnen. All die harten Trainings. All die Wettkämpfe. Unsere Rhythmische-Sport­-
gymnastik-Zeit vergesse ich nie, so intensiv die war. Wir verloren uns aus den Augen danach, doch ploppst Du, liebe Vera, immer wieder irgendwo in meinem Leben auf und verfolgst mein Tun. Kommst zu Aufführungen, liest meine Texte. Kommentierst, motivierst. Das ist unglaublich bereichernd und dafür danke ich Dir. Ich freue mich, Dich wieder zu sehen. Auf einen Kaffee am See? Lass uns diese lose Freundschaft nicht wieder gänzlich aus den Fingern gleiten.

Am Freitag besuchten wir Huelva. Der Ort, von wo Kolumbus 1492 in See stach, um Indien zu suchen, stattdessen aber Amerika fand. Drei nachgebaute Holzsegelschiffe erinnern daran. Der Ort, an welchem ich im März 2020 mit dem Schiff angekommen wäre, hätte ich meine geplante Reise von den Kapverden über die Kanaren fortsetzen können. Jetzt befinde ich mich also auf dem einst geplanten Nachhauseweg. Und da ich Spanisch fliessend sprechen kann und ich diese Kultur kenne und liebe, fühlt es sich bereits wie zu Hause an. Verrückt, was vertraute Laute, Gerüche und Geschmäcker nach so langer Zeit auslösen können.

Für Artjom ist es genau andersrum. Er ist zum ersten Mal in Spanien. An der Algarve drüben in Portugal konnte er mich etwas lotsen, jetzt bin ich dran. Ich entschied mich zu Beginn für eine geballte Ladung Südspanien: Andalusiens Hauptstadt Sevilla, mit Besuch eines Flamencokonzerts mit Tanz, und das überschneidend vor Ort stattfindende EM-Spiel Spanien-Polen. Überall Menschen in roten Trikots. Abends zum Kneipenviewing im Alternativviertel Alameda fanden wir kaum Platz. Die Spanier wachen langsam aus dem Pandemieschlaf auf, doch Fiesta gibt‘s erst bis Mitternacht. Das reicht uns allemal, so viele Eindrücke wir tagtäglich sammeln.

Liebe Grüsse von der Halbinsel, Vera U.

Vera Urweider schreibt und fotografiert dort, wo sie gerade ist und das, was sie gerade sieht. Nach einer Tanzschule widmete sie sich der Bewegung im Kopf: Sie studierte Medien, deutsche Literatur und Ethnologie in Fribourg und absolvierte die Journalistenschule in Luzern und Hamburg.
Nach ihrer langen Insolation auf den Kapverden ist sie nun auf dem Nachhauseweg - und schreibt Briefe. Wer mag, schreibt ihr einen zurück: vera.urweider@gmail.com

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