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Ist auch ein wenig wütend: Jessica Jurassisa.© ZVG
soso space, Bern

Punk? Feministin? Autorin!

Club Literatur à la soso: In der späten Buchtaufe ihres Romans «Das Ideal des 
Kaputten» spricht die Berner Autorin Jessica Jurassica mit der fiktiven Kritikerin 
Frau Schneeberger über Maskeraden, Männer – und sprachliches Glitzern.

«Wer ist die junge Frau, warum provoziert sie?», so ein Twitter-Eintrag von Jessica Jurassica: ihr ironischer Kommentar zur Irritation und Faszination, für die ihr maskierter Auftritt und ihre Texte auf Social Media, ihre Tamedia-Kolumne und – mitten in der Corona-Pandemie – ihr Berset-Sexroman sorgten.

Gönner und Geiferer

Eine mögliche Antwort darauf, wer Jessica Jurassica wirklich ist, hat sie Anfang Jahr mit dem autofiktionalen 
Roman «Das Ideal des Kaputten» geliefert. Darin schreibt die Ich-Erzählerin irgendwo zwischen Wut, Trauer und Lust über ihre Kindheit im Appenzell, Sex, Drogen und Depression – und: ihr Ankommen in der Literatur als junge Autorin, das ohne die gönnerhaft-geifernde Zuwendung älterer Männer nicht vonstatten gehen könnte. «Wie sie das tut, ist erstaunlich, ihre Sprache ist elaboriert, treffend und klar, sie glitzert, ihre Auseinandersetzung mit dem Literaturbetrieb unglaublich klug», sagt Kris Schneeberger («Neon, Pink & Blue», 2020) über die ebenfalls in Bern lebende und befreundete Autorin.

Fixierung auf Maske

Als fiktive Kritikerin wird Schneeberger mit Jessica Jurassica im soso-Space über deren Roman sprechen – und die Enttäuschung des Feuilletons, keine weitere Schockergeschichte von der Figur mit der Sturmhaube geliefert zu bekommen: «Anstatt mich einfach als Autorin zu sehen und meinen Roman als Roman zu besprechen, bleibt die Fixierung auf meine Maske und mich als Figur», meint Jessica Jurassica selbst. So changiere die Rezeption ihres Buchs meist zwischen «erstaunlich konventionell», «Selbstsuche einer jungen verletzlichen Frau» und «ist das nun die wirkliche Person, oder wieder eine Finte, oder: Ist das nun Punk oder Feminismus?».

Klar ein Abend mit Wut

Dabei lasse sich Jessica Jurassicas Buch auch als Metakommentar dazu lesen, wie schwierig es als Autorin sei, sich von Aussenblicken, vor allem männlichen, zu lösen – und keine 
Etiketten zu bedienen, meint Kris Schneeberger. «Im Grunde nimmt 
Jessica Jurassica die Nichtlesbarkeit ihres Buches als das, was es ist vorweg: ein Stück Literatur nämlich.» Auch darüber werden die beiden an der späten Berner Buchtaufe sprechen. Es werde zwar klar ein nachdenklicher und wütender Abend im soso, aber vor allem auch unterhaltsam, sagt Jessica Jurassica.

soso space, Bern

Fr., 25.6., 20 Uhr
www.sososo.space

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