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Jonathan Wegenast: «Auf der Bühne gibt es nur dich und deine Halbwahrheiten.»© ZVG
Kunst- und Kulturhaus Visavis, Bern / Turnhalle im Progr, Bern

«Stand-up ist ein pathologischer Zustand»

Er studierte Jus, doch das machte ihn traurig. Er wollte Stand-up-Comedy machen, doch gab es keine Plattform da-
für. Also gründete er sie einfach selbst. Heute ist Jonathan Wegenast etablierter Stand-up-Comedian und Präsident des Vereins Stand Up Bern, eines Netzwerks für Komiker.

Jonathan Wegenast, warum Stand­-up-Comedy?
Stand-up ist sehr persönlich und authentisch. Du stehst alleine auf der Bühne und erzählst deine eigene Geschichte, deine Gedanken. Es ist kein Kabarett, kein Theater, keine Verkleidung. Du und deine Halbwahrheiten, deine Perspektive. Das macht es aus. Und das sehr direkte Feedback des 
Publikums.

Sie brachten schon früh gerne die Leute zum Lachen. Muss man extrovertiert sein, um Stand-up-Comedy zu machen?
Nicht unbedingt. Eher neurotisch. Ich sage immer, Stand-up ist keine Kunst. Es ist ein pathologischer Zustand.

Im Februar feiern Sie das fünfjährige Bestehen dieses Zustandes – wie begann Stand Up Bern?
Im Ausgang! (lacht) Ich traf zufällig meinen Schulfreund Julius Siegenthaler, wir waren beide eher die Schnurris in der Klasse, machten gerne Witze. In nostalgischer Feierlaune sagten wir uns auf einmal «Komm, wir machen Stand-up!». Doch da gab es nichts. Keine Plattform, keine Gruppe, keine Treffen, nichts.

Auch keine Comedians?
Zumindest sehr wenige. Und jene, die es gab, erschienen noch nicht so an der Bildoberfläche. Wir organisierten monatliche Shows, doch standen wir meistens selbst auf der Bühne, da es zu wenige von uns gab. Man kannte es halt nicht so hier.

Das hat sich nun verändert.
Wir sind zu einem Netzwerk
gewachsen, organisieren kantonal übergreifende Anlässe, bieten jungen Frauen und Männern die Plattform, die wir selbst nicht hatten. Und plötzlich gibt es Gesichter, Stimmen mit Gewicht. Renato Kaiser beispielsweise ploppt im TV auf, ge­­winnt den Salzburger Stier. Fabio Landert gewinnt den SRF 3 Comedy Award, kurz darauf als erster Schweizer überhaupt den deutschen Night-Wash-Award. Unsere deutschsprachigen Nachbarn merken langsam, dass es in der Schweiz auch Comedy gibt. Wenn auch etwas andere.

Inwiefern?
Da Stand-up in der Schweiz noch sehr jung ist, kann sich eine ganz eigene Comedy-Kultur entwickeln. In Deutschland ist dies schon viel länger bekannt und beliebt, wurde deutlich von der britischen und amerikanischen Stand-up-Szene beeinflusst. Eine Pointe reiht sich an die nächste, es gilt viele Lacher zu entlocken. In der Schweiz pflegen wir eher eine Form des Geschichtenerzählens, wo es mal Höhen und aber auch Tiefen gibt. Die eigenen Geschichten eben.

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