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Gianna Molinari: «Das Leben verläuft ja oft auch nicht stringent.» © Christoph Oeschger
Buchhandlung Haupt, Bern

Unbeschriebene Blätter

Gianna Molinari erhält für «Hier ist noch alles möglich» 
den Robert-Walser-Preis und steht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Im Roman versucht eine Frau, neu anzufangen.

«Ich war sehr überrascht, mit einem Debüt unter den 20 Büchern der Longlist zu sein.» Gianna Molinari ruft aus den Bergen an, wo sie mit ihren WG-Mitbewohnern frische Luft schnappt. Am Abend zuvor war sie für eine Lesung in Hamburg, ihr Roman «Hier ist noch alles möglich» ist Anwärter auf den Deutschen Buchpreis 2018 und erhält den Robert-Walser-Preis. Die 30-jährige Baslerin wohnt in Zürich und arbeitet neben dem Schreiben bei den Solothurner Literaturtagen. Literatur hat sie praktisch (am Literatur­institut in Biel) wie theoretisch (an der Universität Lausanne) studiert.

Der Wolf geht um

Pflanzen und Tiere durchdringen langsam die Zäune und Mauern einer Kartonfabrik, deren Stunden gezählt sind. «FABRIK: Ich bin nicht wegen der Fabrik hier. Ich bin hier, weil hier ein neues Umfeld zu entdecken ist.» Eine junge Nachtwächterin notiert fleissig Beobachtungen und Gedanken in ihr «Universal-General-Lexikon». Sie versucht, neu zu beginnen. Gewiss ist nur, dass sie aus einer anderen Stadt kommt und viel grübelt. Etwa über den Wolf, der auf dem Gelände herumspukt, oder den «Mann, der vom Himmel fiel» (ein wahrer Todesfall eines Flüchtlings).

«Was ist eine Identität und wie formt sie sich? Wer definiert Grenzen, das Innen und Aussen? Um diese Fragen zu verhandeln, muss die Hauptfigur in diesem Text ein unbeschriebenes Blatt sein», sagt Molinari. Die rund 200 Seiten sind luftig und klar geschrieben, illustriert von Skizzen und verschwommenen Fotografien. Ab und zu führt die Geschichte in Mikro­episoden plötzlich weg aus der nahen Umgebung, zu Forschern auf fernen Erdflecken. Sechs Jahre dauerte der Schreibprozess. Die Textstruktur sei eine grosse Frage gewesen, erzählt die Autorin. «Sie besteht aus Teilen. Das Leben verläuft ja oft auch nicht stringent, sondern baut sich aus vielen verschiedenen Geschichten zusammen.»

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