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Bern liegt auf der Schöpfkarte zwischen Gimlingen und Pimplitz.© Raul Surace
Universitätsbibliothek Münster­gasse, Bern

Von Äbi über Inderlappen bis Tabor

Dr. Thomas Franz Schneider forscht mit Karten und schriftlichen Ortsbeschrieben über Berner Ortsnamen. Sein Vortrag eröffnet die 25. Saison der Reihe «Buch am Mittag» in der Universitätsbibliothek Münstergasse.

Was hat Inderlappen mit Interlaken zu tun? Warum heisst Rubigen seit mindestens fünfhundert Jahren so, während Radelfingen, Gümligen und Bümpliz Rattolfingen, Gimlingen und Pimplitz hiessen? Und wo liegt Listhartz? Mit solchen Fragen befasst sich Dr. Thomas Franz Schneider an der Forschungsstelle für Namenkunde am Germanistik-Institut der Universität Bern. Bei «Buch am Mittag» hält er den Vortrag «Wo ist Listhartz? Die Schöpfkarte und das Berner Ortsnamenbuch». Hintergrund dazu ist einerseits die Ausstellung «Landesbeschreibung im Alten Bern - Ausstellung im 500. Geburtsjahr des Stadtarztes Thomas Schöpf» in der Bibliothek Münstergasse.

Wie einen Fahrplan lesen

Andererseits ist es die Neuerscheinung des 6. Teils des «Ortsnamenbuchs des Kantons Bern», bei dem Schneider als Herausgeber fungiert. Darin werden von Sefi, Siech, Simenängle bis Tabor, Täntscht, Tanz und Dinkel alle möglichen Ortsnamen analysiert.

Die Schöpfkarte diente im 16. Jahrhundert der Stadt Bern zur Übersicht über die territorialen Gebiete. Die Karte ist ein Gesamtwerk aus gestochener Karte, die nicht auf systematischer Landvermessung beruht, und aus Manuskripten, die schriftliche Ortsbeschreibungen enthalten. Diesen in Latein verfassten Textteilen, genannt Chorographie, gilt Schneiders Interesse: Vom mittelalterlichen Pergament bis zur mündlichen Ausspracheform untersucht er alles, was die Herkunft eines Ortsnamens erklärt. «Die Chorographie enthält Angaben zur geographischen Lage und zur Topographie der benannten Orte, selten auch chronikale Elemente wie die Erinnerung an ein Schiffsunglück, gelegentlich auch Versuche, einen Namen zu deuten», sagt Schneider. Wer sich dafür interessiere, werde die Texte mit Vergnügen lesen. «Für andere ist es vielleicht, wie wenn sie einen Fahrplan oder eine Ortschaftsliste lesen müssten.»

Seit 25 Jahren wird die historisch-sozialwissenschaftlich ausgerichtete Veranstaltungsreihe «Buch am Mittag» in der Universitätsbibliothek abgehalten – erst von Internen, bald lud man externe Referenten ein und seit 2016 «sind zu einem guten Teil Forscherinnen und Forscher der Uni Bern zu Gast», sagt Organisator Elio Pellin. Ergänzend kamen 2018 die Reihe «Fokus Forschung» mit Schwerpunkt Naturwissenschaften und Medizin dazu sowie «Text! Berner Literatur im Gespräch».

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