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Nora Bader und Andrea Fopp vor Violett – der Farbe des Frauenstreiks.© Eleni Kougionis

Vorsicht, Frauen!

Im Buch «Frau Macht Medien» gehen die Schweizer Journalistinnen Nora Bader und Andrea Fopp der Frage nach, warum weniger Journalistinnen Leitungspositionen innehaben und wofür diejenigen, die sie haben, kämpfen mussten.

«Vorsicht, kluge Frau!» titelte das Magazin «Tele» mit einem Bild der ehemaligen SRF-Moderatorin und Wirtschaftsjournalistin Patrizia Laeri. Bei den Fussball-WMs sind laut Programmchefin von MySports, Steffi Buchli, Bildergalerien beliebt wie «Das sind die sexiesten Reporterinnen am Spielfeldrand». Es scheint, als wären Klugheit und Aussehen von Journalistinnen ein nach wie vor zu betonendes Kuriosum. Spielt Geschlecht im Journalismus also eine Rolle?

Im Buch «Frau Macht Medien. Warum die Schweiz mehr Journalistinnen braucht» haben Nora Bader (Basel-Korrespondentin für «20 Minuten») und Andrea Fopp (Redaktorin «Bajour») mit 15 Schweizer Journalistinnen über diese Frage gesprochen. 
Erhellende Gespräche über Chancengleichheit, Machtkämpfe, Redaktion­kultur, Leitungsfunktionen, Frauenförderung im Journalismus, das «Hochstaplersyndrom», Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Sexismus am Arbeitsplatz sind das Ergebnis.

Redaktion als «Mackerclub»

So liest man, wie sich Laeri rechtlich gewehrt hat und mit #vorsichtklug eine Kampagne lancierte. Von verbissenen Silberrücken-Kämpfen und dem «Mackerclub», der die WOZ-Redaktion in den 90er-Jahren war, erzählt Susan Boos. Die «Grande Dame des Reportagejournalismus», Margrit Sprecher, erinnert an vogelfreie Themenwahl unter dem Radar in der als weiblich herabgestuften Rubrik Gesellschaft. Die bei investigativ.ch und SRF tätige Journalistin Stefanie Hablützel wiederum nutzt Stereo­typen: «Wenn mich ein Gegenüber unterschätzt, ist das sein Problem. Es gibt Männer, die Frauen sehr gerne Sachen erklären. Da höre ich gerne zu, weil ich dann Neues und vielleicht Interessantes erfahre.» Und dann die fast anarchistische Aussage der Journalistin Naomi Gregoris («Bajour»): «Ich realisierte schmerzhaft, dass Tageszeitungen in den meisten Fällen Geschichten über das sorgfältige Schreiben stellen. Primeurs sind das Letzte, was mich interessiert.»

Luft nach oben

«Frau Macht Medien» ist bei aller Leichtigkeit, mit der es sich liest, eine Bestandesaufnahme, die zeigt, dass es noch viel Luft nach oben gibt. Drei Punkte werden deutlich: Frauen legen Wert auf Qualität, Nachwuchsförderung und geteilte Verantwortung. Migrationshintergründe und Geschlechtsidentität sind in den Medien – wie auch in diesem Buch – krass untervertreten. Und: Klicks und Quoten sind auf Dauer keine wirkliche Lösung für den Journalismus.

Nora Bader, Andrea Fopp
«Frau Macht Medien»
Zytglogge Verlag, 2020
www.zytglogge.ch

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