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Verwebt in ihrem Buch Realität und Imaginiertes: Martina Clavadetscher.© Ingo Höhn
Aula im Progr, Bern

Wie Kabel im Kopf der Sexpuppe

Martina Clavadetscher, Nominierte für den Schweizer Buchpreis, liest bei «B-Lesen präsentiert» aus ihrem gewagten Roman «Die Erfindung des Ungehorsams».

«Arme und Hände pendeln / anein­ander, nebeneinander, / passen ihre Schwingungen den Mitmenschen an /und werden zu einer organischen 
Wiederholung, / ein Wesen voller Glieder / in Reihen und Gliedern.» So beschreibt Clavadetscher den Menschenstrom in dem Ling, eine der Hauptfiguren, zur Arbeit geschoben wird. Sie arbeitet in einer Sexpuppen-
Fabrik in einer Stadt irgendwo in China. Ling mag den geregelten Alltag in der Fabrik und die klaren Anwei­sungen. Sie arbeitet korrekt und gehorsam – bis eine neue Generation der Latex-
Menschen ihren Alltag aufwirbelt. 

Drei Welten, eine Geschichte

Martina Clavadetschers Roman folgt drei Figuren – drei Frauen, die in getrennten Welten und Zeiten in China, Manhattan und Europa existieren und dennoch durch ihre Geschichten miteinander verbunden bleiben. «Die Erfindung des Ungehorsams» ist keine lineare Erzählung, vielmehr liest sie sich wie eine einzige Geschichte, die auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt ist, wobei jede Ebene mit den anderen interagiert. 
Clavadetscher verwebt Realität und Imaginiertes zu einem ganz eigenen Universum, das durch die teils fehlenden Ausführungen manchmal auch etwas vage und flüchtig bleibt. Anfang und Ende verschwimmen dabei, ähnlich wie in einem fahrenden Zug, wenn an den Fenstern Landschaften vorbeiziehen, nur sind es hier die Welten der drei Hauptfiguren, Iris, Ada und Ling.

Clavadetscher bewegt sich dabei an den Abgründen des Menschseins, wählt den schmalen Grat zwischen künstlicher Intelligenz und Menschlichkeit. Eine Geschichte so verworren wie die Kabel im Kopf der Sexpuppe «Harmony». Ebenso gewagt wie die Erzählung ist auch die Form des Romans, die teils monologartig, sehr rhythmisch und stellenweise fast lyrisch daherkommt – ein sprachlicher Eigensinn, der sich gegen die Berechenbarkeit der Maschine oder der künstlichen Intelligenz stellt, von der die Erzählung handelt.

Die Nominierten

Clavadetscher gehört mit ihrem zweiten Roman zu den Nominierten des diesjährigen Schweizer Buchpreises. Wie ihre Kolleg*innen und Mitnominierten Thomas Duarte, Michael Hugentobler und Veronika Sutter, liest sie bei «B-Lesen präsentiert» aus ihrem Buch. B-Lesen, das Netzwerk aus unabhängigen Berner Buchhandlungen, setzt sich für die Verbreitung von Literatur ein und wurde eben für seine Vermittlungsarbeit mit dem Spezialpreis der Stadt Bern ausgezeichnet.

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