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Autorin Maria Ursprung schreibt nach «Schleifpunkt» an neuen Projekten.© Julia Schwender

«Zeit ist ein kraftvolles Geschenk»

Maria Ursprung ist Gewinnerin des Stipendiums «Weiterschreiben» der Stadt Bern. Sie schreibt Theaterstücke, Hörspiele und Kurzprosa, in welchen sie feine Alltags­schwingungen aufnimmt. Ihr Stück «Schleifpunkt» wird hoffentlich bald im Theater Marie und im Theater St.Gallen zu sehen sein.

 

Welcher Moment gefällt Ihnen beim Schreiben am besten?
Das Anfangen, wenn die Idee noch neu ist, wenn sich die Möglichkeiten der Ideen erst zu entwickeln beginnen und sich ausloten lassen. Dieser Moment geht leider meist schnell vorbei und es stellt sich viel Fleissarbeit und viel Weiterdenken ein.

Gibt es auch besonders schwierige Momente?
Bei einem längeren Text fällt mir das letzte Drittel der Arbeit am schwersten. Bis dorthin ist es schon ein weiter Weg und von der ursprünglichen Idee musste ich schon viel ändern, neu denken und umwerfen. Wenn ich dieses letzte Drittel erreicht habe, denke ich wiederum: «jetzt muss ich ja ‹nur› noch fertigschreiben». Diese Art von Arbeit, dieses Zu-Ende- Bringen, ist für mich der am wenigsten kreative Prozess. Es verspricht aber auch wieder etwas Neues.

Woran arbeiten Sie aktuell?
Im Moment ist gerade eine merkwürdige Zeit, weil viel nicht zu Ende gebracht werden kann und viele Projekte schon lange Zeit laufen und immer wieder verschoben werden. Beispielsweise das partizipative Projekt «Time to Move» in Bern, eine Zusammenarbeit mit Bernmobil, der Jungen Bühne Bern und dem Schlachthaus Theater. Dabei verändert sich auch die Aktualität immer wieder: Es geht in dem Projekt um Mobilität, Öffentlichen Verkehr und Diversität. Gedanken und Zugänge dazu haben sich im Verlauf des letzten Jahres sehr verändert.

Wie empfinden Sie das ständige Neudenken?
Es braucht viel Energie, ist aber auch interessant. Die Chance liegt darin, dass man nicht nur alternativ denkt, sondern dass man neu denkt. Das Neudenken zeigt wieder Möglichkeiten auf und macht auch Freude, zumindest für mich. Für uns Kunstschaffende ist jetzt eine Zeit des Loslassens und gleichzeitig des Weiterkämpfens.

Wie gehen Sie an ein neues Projekt?
Ich kreise jeweils recht lange um ein Thema, lese und recherchiere viel und warte auf die Grunderzählidee. Wenn ich diese habe, lege ich mir sehr grob eine Geschichte zurecht und beginne mit Schreiben. Im Wissen, dass ich noch vieles umwerfen und streichen werde. Am Anfang versuche ich mir genügend Zeit zu lassen, mich nicht zu sehr festzulegen.

Wie können Sie das Stipendium «Weiterschreiben» konkret investieren?
Mir gibt das Stipendium Zeit zum Weiterarbeiten. Gerade Schreibende sind für den Lebensunterhalt auf solche Stipendien angewiesen. Mir persönlich ermöglicht es, dass ich weniger in einem Lohnjob arbeiten muss und Zeit im Atelier habe, um an meinen Texten zu arbeiten. Es klingt unglamourös, aber Zeit ist ein kraftvolles Geschenk.

Welche Möglichkeiten eröffnen sich durch das Schreiben in der aktuellen Situation für Sie?
Das Jetzt ist für mich zum Schreiben interessant, weil viele Themen in der Luft liegen, die sich teilweise noch nicht ganz zeigen. Was liegt unter diesen gesellschaftlichen, sozialen und politischen Mechanismen, die im Moment greifen? Zum Beispiel rücken die Themen Glauben und Vertrauen ins Zentrum: Wem oder was glaube ich? Diese Themen weiterzudenken, interessiert mich.

Das Hörspiel «Bienen schwärmen für sie» von Maria Ursprung ist aktuell auf SRF zu hören.

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